Pflege verstehen

Pflegegrad bei Herzerkrankungen: Schrittmacher, Herzinsuffizienz und Co.

Stand 2026 Aktualisiert am 3 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

Einen Pflegegrad für einen Herzschrittmacher, Stent oder Defibrillator gibt es nicht automatisch. Der Medizinische Dienst bewertet, wie selbständig Sie im Alltag in sechs Modulen sind; die Diagnose allein legt keinen Grad fest.

Der Pflegegrad hängt nicht von der Herzdiagnose ab

Wer nach dem Pflegegrad bei Herzschrittmacher, Stent oder Defibrillator fragt, sucht meist eine feste Zuordnung. Diese gibt es nicht. Der Medizinische Dienst prüft bei der Begutachtung, was Sie im Alltag selbständig können und wobei Sie regelmäßig Hilfe brauchen. Ein Herzschrittmacher, der zuverlässig arbeitet, schränkt manche Menschen kaum ein. Eine fortgeschrittene Herzinsuffizienz kann dagegen die Belastbarkeit stark mindern. Entscheidend ist der Einzelfall, nicht der Name der Erkrankung.

Die Einstufung folgt einem Punktesystem. Wie es aufgebaut ist, erklärt die Seite zur Begutachtung durch den Medizinischen Dienst. Ob eine Herzerkrankung überhaupt zu einem Pflegegrad führt, lässt sich daher nur anhand der Alltagsfolgen beurteilen. Ein bestimmtes Ergebnis kann niemand vorhersagen oder zusichern.

Sie möchten die Punkte einmal selbst durchgehen? Zum Pflegegrad-Rechner →

Welche Module bei Herzerkrankungen eine Rolle spielen können

Herzerkrankungen wirken sich vor allem über körperliche Belastbarkeit aus. Folgende Beispiele zeigen, wo das in der Begutachtung relevant werden kann.

Modul Gewicht Beispiel bei Herzerkrankung
Mobilität 10 % Treppensteigen oder Gehen nur mit Pausen oder fremder Hilfe möglich
Selbstversorgung 40 % Waschen, Anziehen oder Duschen nur mit Unterstützung, weil Atemnot oder Erschöpfung auftreten
Krankheitsbedingte Anforderungen 20 % Medikamentengabe, Gewichtskontrolle, Blutdruckmessung, Umgang mit Kompressionsstrümpfen
Alltagsgestaltung 15 % Tagesablauf nur mit Hilfe gestaltbar, soziale Kontakte kaum möglich
Kognition 15 % meist nicht betroffen, nur bei zusätzlichen Einschränkungen
Verhalten 15 % meist nicht betroffen; zählt zusammen mit Kognition nur der höhere Wert

Bewertet wird nicht, wie stark die Krankheit ist, sondern wie selbständig Sie in diesen Bereichen noch sind. Die Module Kognition und Verhalten spielen bei reinen Herzerkrankungen oft keine Rolle. Die vollständige Gewichtung und die Punktegrenzen finden Sie im Pflegegrad-Rechner.

Typische Diagnosen und ihre Alltagsfolgen

Die folgenden Diagnosen werden häufig gesucht. Sie erklären nur, welche Alltagsfolgen geprüft werden können, nicht welcher Grad sich ergibt.

Herzschrittmacher, Defibrillator und Stent

Nach dem Eingriff sind viele Menschen wieder weitgehend selbständig. Relevant wird es, wenn zusätzlich Schwäche, Schwindel oder Begleiterkrankungen bestehen und Hilfe beim Gehen, Waschen oder bei der Medikation nötig ist. Das Gerät oder der Stent allein begründet keine Pflegebedürftigkeit.

Herzinsuffizienz

Bei Herzinsuffizienz, auch in einer fortgeschrittenen Stufe, kommt es auf die Belastbarkeit im Alltag an. Kann jemand nach wenigen Schritten nicht weitergehen, braucht Hilfe beim Duschen oder bei der Behandlungspflege, fließt das in Mobilität, Selbstversorgung und krankheitsbedingte Anforderungen ein. Die Stufe der Erkrankung nach ärztlicher Einteilung ist dafür nicht maßgeblich.

Vorhofflimmern und Herzrhythmusstörungen

Hier zählt, ob Beschwerden wie Schwindel, Stürze oder Erschöpfung regelmäßige Hilfe erfordern. Die Einnahme von Medikamenten, etwa zur Gerinnungshemmung, kann im Modul krankheitsbedingte Anforderungen berücksichtigt werden, wenn Sie dabei Unterstützung benötigen.

Diese Seite ersetzt keine ärztliche Beratung. Ob und wie stark Ihre Erkrankung den Alltag einschränkt, beurteilen Ihre Ärztin oder Ihr Arzt und der Medizinische Dienst.

So bereiten Sie sich auf die Begutachtung vor

Schildern Sie bei der Begutachtung den ganz normalen Alltag, auch schlechte Tage. Ein Pflegetagebuch über ein bis zwei Wochen hilft, Hilfebedarf konkret zu belegen: Wann sind Pausen nötig, wobei hilft jemand, wie oft treten Beschwerden auf. Halten Sie Arztbriefe, Medikamentenplan und Entlassberichte bereit. Eine Vorlage finden Sie unter Pflegetagebuch.

Legen Sie Unterlagen zu Begleiterkrankungen bei. Oft entsteht der Hilfebedarf erst durch das Zusammenspiel mehrerer Erkrankungen, etwa von Herz und Gelenken. Zu Gelenkproblemen siehe Pflegegrad bei Arthrose, zu Nierenschwäche Pflegegrad bei Niereninsuffizienz.

Was bei einem Pflegegrad gezahlt wird

Wird ein Pflegegrad festgestellt, richten sich die Leistungen nach dem Grad. Bei Pflegegrad 1 gibt es kein Pflegegeld, aber den Entlastungsbetrag von 131 € im Monat. Ab Pflegegrad 2 kommt Pflegegeld von 347 € im Monat hinzu, ab Pflegegrad 3 sind es 599 €. Pflegegeld und Sachleistung stiegen zum 1. Januar 2026 nicht; nach geltendem Recht ist die nächste Anpassung zum 1. Januar 2028 vorgesehen; ein Gesetzentwurf (Drucksache 21/8869) sieht Änderungen ab 2027 vor, beschlossen ist er noch nicht. Mehr dazu unter Pflegereform 2027. Die vollständige Übersicht steht bei den Leistungen der Pflegekasse.

Wenn der Bescheid nicht passt

Fällt der Bescheid niedriger aus als erwartet oder wird ein Pflegegrad abgelehnt, können Sie Widerspruch einlegen. Verschlechtert sich der Zustand später, ist eine Höherstufung möglich.

Stellen Sie den Antrag auf einen Pflegegrad bei Ihrer Pflegekasse; die einzelnen Schritte finden Sie unter Pflegegrad beantragen.

Häufige Fragen

Welcher Pflegegrad bei Herzschrittmacher?

Ein Herzschrittmacher führt nicht automatisch zu einem Pflegegrad. Maßgeblich ist, wie selbständig Sie in den sechs Modulen des Medizinischen Dienstes sind. Ein bestimmter Grad lässt sich allein aus der Diagnose nicht ableiten.

Gibt es bei Herzinsuffizienz automatisch einen Pflegegrad?

Nein. Auch bei Herzinsuffizienz zählen die Folgen im Alltag, etwa bei Gehen, Waschen oder Medikamenteneinnahme. Die ärztliche Stufe der Erkrankung ist nicht ausschlaggebend.

Zählen Stent oder Defibrillator für den Pflegegrad?

Ein Stent oder Defibrillator allein begründet keinen Pflegegrad. Berücksichtigt wird nur, wenn dadurch oder durch Begleiterkrankungen regelmäßig Hilfe im Alltag nötig ist.

Hilft ein Pflegetagebuch bei Vorhofflimmern?

Ja, ein Tagebuch macht Hilfebedarf und Beschwerden im Alltag nachvollziehbar, zum Beispiel Schwindel, Pausen oder Unterstützung bei der Medikation. Es ersetzt die Begutachtung nicht, kann aber das Gespräch stützen.

Quellen

Beträge geprüft am 2. November 2026. Maßgeblich ist immer der Bescheid Ihrer Pflegekasse.

Nächste Schritte

  1. Begutachtung verstehen

    Lernen Sie die sechs Module kennen, damit Sie den Termin gezielt vorbereiten.

    Zur Begutachtung →
  2. Alltag dokumentieren

    Führen Sie ein bis zwei Wochen ein Pflegetagebuch, um Hilfebedarf konkret zu belegen.

    Pflegetagebuch öffnen →
  3. Antrag stellen

    Beantragen Sie den Pflegegrad bei Ihrer Pflegekasse.

    Pflegegrad beantragen →

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